Symposium 09.-10.06.2017

PDF-Version inkl. Progamm und Anreiseinformation

Erweiterte DNA-Analysen in der Forensik: Möglichkeiten, Herausforderungen, Risiken

Der Einsatz erweiterter DNA-Analysen in der Forensik, insbesondere DNA-Phenotyping und die Bestimmung der sogenannten „biogeografischen Herkunft“, wird derzeit deutschlandweit diskutiert. Seit November 2016 haben euphorische Medien­berichte das öffentliche Stimmungsbild geprägt; darin erfuhr man viel über die Anwen­dungs­möglichkeiten und Chancen, aber kaum etwas über Risiken, Fehleranfälligkeiten und ethische Problematiken dieser Technologien. Erst seit neuestem mischen sich nachdenkliche bis kritische Stimmen in die Debatte ein (siehe „Medien“).

Im Ausland, wo diese Technologien bereits zum Einsatz kommen, setzen sich ForscherInnen schon seit einiger Zeit intensiv und kritisch mit den Bedingungen und Folgen dieses Einsatzes auseinander. Sie haben zeigen können, dass es durchaus Missanwendungen dieser Technologien gab und geben kann, und versucht, Wege zur Vermeidung solcher Fehler aufzuzeigen. Damit haben sie schon viele Verbesserungen im Dialog mit ErmittlerInnen, JuristInnen und EntscheidungsträgerInnen anregen können. Zudem konnten sie in bestehenden Strukturen, als Mitglieder entsprechender Ethikgruppen, Boards und Entscheidungsgremien, unmittelbar mitentscheiden, wann und wie ein Einsatz sinnvollerweise getätigt werden sollte und wann (oder wie) nicht.

In Deutschland fehlt diese Forschungsrichtung derzeit noch, und auch von multidisziplinären Entscheidungs- und Regulierungsstrukturen ist man hierzulande noch weit entfernt. Als ExpertInnen zu diesem Thema wurden bisher ausschließlich NaturwissenschaftlerInnen, TechnikentwicklerInnen und ErmittlerInnen gehört. Eine ausgewogene, kritisch-konstruktive Debatte, eine umsichtige Regulierung der Technologien kann so nicht stattfinden.

Dieses Symposium möchte einen komplementären Beitrag zur Diskussion in Deutschland leisten: die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion muss um die bisher außen vorgelassenen sozialwissenschaftlichen und ethi­schen Perspektiven bereichert werden, damit sich eine nachhaltige, umfassend informierte und faire Debatte auf Grundlage von interdisziplinärem Austausch entwickeln kann. Auch die wissenschaftlichen Schwachpunkte der Technologien und des baden-württembergischen Gesetzesantrags müssen unter Beteiligung der Fach­vertreterInnen ent­sprechender Disziplinen offen diskutiert werden. Nur so können unerwünschte und unerwartete Neben­wir­kun­gen einseitiger Gesetzesinitiativen identifiziert und vermieden werden.

Das Symposium wird am Freiburger Institute for Advanced Studies (FRIAS) stattfinden.

Für fachkundige Interessentinnen und Interessenten steht eine begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung; hierfür ist eine Anmeldung bis zum 25.05.2017 und die Entrichtung einer Tagungsgebühr von 30€ erforderlich (inkl. Kaffeepausen und Mittagsverpflegung). Die Tagungsgebühr ist zu Tagungsbeginn in bar zu entrichten. Die Benachrichtigung darüber, ob Ihre Anmeldung berücksichtigt werden kann, erhalten Sie am 29.05.2017.
Anmeldung per Email unter Angabe von Namen und Institution an: Dr. Barbara Sieferle, Universität Freiburg, OffenerBriefSTS@mail.uni-freiburg.de.

Für Journalistinnen und Journalisten, die daran teilnehmen möchten, ist eine Anmeldung bis zum 5. Juni 2017 per E-Mail an  erforderlich.

Organisatorinnen:

Prof. Dr. Anna Lipphardt, Kulturanthropologin, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Universität Freiburg

Prof. Dr. Veronika Lipphardt, Wissenschaftshistorikerin, Science and Technology Studies, University College Freiburg